Digitalisierung der Arbeitswelt

In Zukunft werden smarte Systeme Millionen von Jobs übernehmen. Welche Arbeit besonders bedroht ist und in welchen Bereichen sich noch berufliche Chancen ergeben.

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Reingehen, Joghurt, Käse und Müslipackung in die Tasche legen und wieder hinausspazieren. Wer Waren ohne Abstecher zur Kasse aus dem Supermarkt trägt, riskiert normalerweise eine Anzeige wegen Ladendiebstahls. Nicht so im neuen digitalen Geschäft Amazon Go im amerikanischen Seattle. Dort lautet das Motto „Just walk out“, zu deutsch: „Geh einfach raus“.

Mit seinem Supermarkt beschreitet der Online-Versandriese Amazon neue Shopping-Wege. Denn der Laden funktioniert nahezu ohne Angestellte und hat keine Kasse. Wie das geht? Verbraucher laden sich die Amazon-Go-App herunter und halten ihr Smartphone an eine Schranke am Eingang. Danach registrieren Kameras und Sensoren, welche Artikel die Käufer aus den Regalen nehmen und einpacken. Am Ausgang halten Ladenbesucher ihr Handy wiederum an die Schranke, um auszuchecken – und kurz darauf landet die Rechnung im E- Mail-Postfach und der entsprechende Betrag wird vom Amazon-Konto des Nutzers abgebucht. Keine Kasse bedeutet jedoch auch: keine Kassierer. Der Supermarkt der Zukunft macht diesen Job überflüssig. Und der Einzelhandel ist keine Ausnahme.

Automatisierung und Digitalisierung verändern alle Branchen fundamental.

Autopiloten können schon jetzt souverän einen Airbus landen. Die selbstfahrenden Wagen von Googles Schwesterfirma Waymo haben innerhalb eines Jahres über 500.000 Kilometer zurückgelegt. Die Folge: Autonome Steuerungssysteme werden Taxi- und Lkw-Fahrer ersetzen. Drohnen liefern bald Briefe und Pakete aus. Start-ups aus der Finanzbranche, sogenannte Fintechs, setzen Chatbots als Bankberater ein oder bieten smarte Software an, die in Finanzunternehmen dem Management Verstöße gegen Gesetze meldet. Damit werden Arbeitsplätze in der Kundenberatung und im Controlling nicht mehr benötigt. Eine Investmentfirma aus Hongkong ist noch einen Schritt weiter. Sie hat einen Computer-Algorithmus in ihren Vorstand aufgenommen, dessen Analyse bei allen Investitionsentscheidungen maßgeblich ist.  

„Die Umwälzung betrifft auch anspruchsvolle Tätigkeiten.“

Doris Albiez, Senior Vice President & General Manager Dell EMC Deutschland

Digitale Maschinenkraft voraus

Das Schlagwort der technischen Revolution heißt Künstliche Intelligenz (KI), also die Eigenschaft eines IT-Systems, menschenähnliche intelligente Verhaltensweisen zu zeigen – und vor allem selbstständig lernen zu können. KI weitet die Automatisierung auf geistige Tätigkeiten aus. So unterstützt smarte Sprachsoftware den Personaler bei der Bewerberauswahl.

In Anwaltskanzleien filtern spezielle Systeme in wenigen Minuten relevante Daten für juristische Fälle aus Aktenmassen heraus. Krankenhäuser setzen KI etwa in Form von IBMs Supercomputer Watson in der Krebsdiagnostik ein. Werden also bald Roboter menschliche Arbeit übernehmen?

„Die Digitalisierung und hier besonders die Künstliche Intelligenz stellt Qualifikationen infrage, bei denen man das bis vor Kurzem noch für ganz und gar undenkbar gehalten hätte. Die Automatisierung von Arbeitsprozessen macht auch vor den sogenannten Wissensarbeitern nicht halt, ja nicht einmal vor den Fachleuten der Digitalisierung selbst“, sagt Doris Albiez, Senior Vice President & General Manager bei Dell EMC Deutschland. Eine Studie der Beratungsgesellschaft McKinsey prognostiziert, dass bis 2055 die Hälfte aller Arbeitsstunden in Deutschland durch Automatisierung wegfallen könnte.

Am meisten gefährdet sind nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte Bürokräfte, Jobs im Verkehrswesen und in der Gastronomie, kaufmännische Berufe sowie Zustelldienste. Für relativ sicher halten die Fachleute dagegen Berufe, die Fähigkeiten wie Verhandlungsgeschick, Einfühlungsvermögen oder Überzeugungskraft verlangen. Managementaufgaben oder individuelle Beratungstätigkeiten können Computer demnach in den nächsten Jahren nicht erledigen.

So auch im Bereich der Vermögensberatung: Da Finanzprodukte komplex und erklärungsbedürftig sind und je nach Lebenssituation des Kunden variieren, bleibt die persönliche Beratung von Mensch zu Mensch in den kommenden Jahren von hoher Bedeutung.

U.S. Bureau of Labor Statistics; McKinsey Global Institute Übernehmen Roboter bald unsere Arbeit? Diese Jobs sind besonders betroffen.

Vermögensberater: Beruf mit Zukunft

Während viele Jobs in der Finanzbranche im Zuge der Digitalisierung auf der Kippe stehen, steckt in der individuellen Vermögensberatung viel Zukunftspotenzial. Vermögensberater, die für ihre Kunden ein verlässlicher, glaubwürdiger Partner und Coach in allen Fragen rund um Vorsorge und Vermögensaufbau sind, haben beste Karriereaussichten. Besonders dann, wenn sie auf den starken Rückhalt eines renommierten Unternehmens wie der Deutschen Vermögensberatung bauen können.

Deutschlands größte eigenständige Finanzberatung bietet unterschiedliche Berufswege an. Ob als Quereinsteiger oder Auszubildender, ob im Neben- oder Hauptberuf – dank eines erprobten Einstiegs- und Weiterbildungsprogramms bekommen Berufseinsteiger die optimale Unterstützung für einen erfolgreichen Start.

Adobe Professor Gunter Dueck ist seit 2011 freiberuflich als Autor, Business Angel und Redner tätig.

Neue Wege gehen

Professor Gunter Dueck über die digitalisierte Arbeitswelt und deren Auswirkungen. Der promovierte Mathematiker arbeitete viele Jahre in leitender Position bei IBM Deutschland.

Was sind die größten Veränderungen in der Berufswelt, die in den nächsten Jahren bevorstehen?

Gunter Dueck: Der Routineanteil eines jeglichen Berufes wird digitalisiert. In Zukunft könnten also die Jobs von Maschinen übernommen werden, in denen viele Routineaufgaben zu erledigen sind. Wer hat viele Buchungen zu tätigen? Wer gibt „nur“ Auskunft hinter Flachbildschirmen, wer berät in Dingen, die im Netz besser dargestellt sind? Diese Berufsgruppen werden es in der digitalisierten Welt sehr schwer haben. Übrig bleiben die komplexeren Arbeiten – und die erfordern höhere Fertigkeiten.

Für welche Tätigkeiten genau sind weiterhin Menschen gefragt?

Gunter Dueck: Es kommt darauf an, mit anderen Menschen gut klarzukommen, neue, zukunftsfähige Ideen zu schaffen und vor allem zum Ziel voranzutreiben. Viele beschreiben dies mit Führung, Empathie, Kreativität oder Durchsetzungswille – Schlüsselfähigkeiten, die entscheidend sind und bleiben werden.

Wie können sich Unternehmen zukunftsfähig aufstellen?

Gunter Dueck: Das klassische Privatkundengeschäft ist größtenteils Routine. Mit den oben beschriebenen Folgen. Also müssen Unternehmen ihre Businessmodelle neu ausrichten. Ein Beispiel: Auf dem Land verschwinden gerade viele Betriebe wie Fleischer, Bäcker, Apotheken und Banken. Doch wer rafft sich zu kleinen Dienstleistungszentren auf? Wer kümmert sich um berufsspezifische Apps? Unternehmen müssen sich bewegen, damit sie nicht verschwinden.

In der persönlichen Beratung ist der Faktor Mensch noch immer wichtig. Was sollten Unternehmen und Mitarbeiter beachten, damit das so bleibt?

Gunter Dueck: Persönliche Beratung ist im Idealfall richtig gut. Aber sie kostet viel Zeit und damit Geld – und deshalb informieren Ärzte, Anwälte oder Banker immer zügiger. Eine Beratung nach Schema F bringt den Verbrauchern jedoch nichts. Eine persönliche Unterstützung von Mensch zu Mensch muss etwas bieten, das Maschinen nicht können: Sie fußt auf Vertrauen und Glaubwürdigkeit, geht auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden ein und bietet passgenaue Lösungen. Beratungsberufen, die auf diese Fähigkeiten bauen, gehört die Zukunft.

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